Slow Food Youth Hamburgkeyboard_arrow_rightArtikelkeyboard_arrow_right Terra Madre: Salone del Gusto

Terra Madre: Salone del Gusto

20. September

Wir sind auf dem Weg nach Turin zur größten Slow Food Messe der Welt - Terra Madre: Salone del Gusto!

Unterwegs legen wir Stops in Verona und Bra ein. Gerade Bra ist spannend, da hier die “Slow Food Uni” University of Gastronomic Sciences zuhause ist. Bei der heutigen Ankunft haben wir gleich alles richtig gemacht und sind für ein leckeres Mittagessen ins Local gegangen, das einen eigenen Garten und Verkaufsladen guter Lebensmittel hat und als studentisches Projekt besagter Uni ins Leben gerufen worden ist. So hatten wir das Glück, dem Gründer von Slow Food Carlo Petrini zu begegnen, der hier einen kurzen Schnack mit seinen Studenten abhielt.

Morgen wird die Uni genauer von uns untersucht und danach geht es auch schon in das benachbarte Turin, wo der Salone del Gusto stattfindet.

21. September

Heute haben wir die “Slow Food Uni” University of Gastronomic Sciences ausgecheckt. Für alle Leute, die sich in Richtung Ernährungswissenschaften und Gastronomie bilden möchten und gleichzeitig vielleicht auch noch Slow Food irgendwie cool finden ist diese private Universität sehr interessant. Mit mehreren Bachelor- und Masterprogrammen zielt es auf (zukünftige) Food-Professionals jeder Geschmacksrichtung ab. Besonders interessant fanden wir den Master Food in the World, bei dem Studenten lernen können, wie Essen in den verschiedenen Teilen der Welt wahrgenommen wird. So wird jede Woche eine neue Region untersucht. Inklusive sind drei Studienfahrten, eine innerhalb Italiens, eine innerhalb der EU und eine außerhalb der EU. Definitiv spannend - der Ort ist gleichzeitig sehr schön, die Leute nett und das Essen gut. Was will man mehr?

22. September

Der Salone del Gusto beginnt! Dieses Jahr ist die Veranstaltung erstmals in der Stadt verteilt: der Produzentenmarkt im schönen Valentino Park, Slow Fish am Ufer des Po, weitere Stände an verschiedenen Piazzas in der Innenstadt, Verkostungen im Lavazza House, in einem ehemaligen Auktionshaus und anderswo. Finden wir prima! Man ist viel in der Stadt unterwegs, trifft andere Besucher und Stadtbewohner zugleich und kann die Atmosphäre der italienischen Altstadt genießen.

Stilecht beginnen wir den Tag mit einer Ginverkostung und lassen ihn mit einer Rumverkostung und anschließendem Cocktailtrinken in der GØRILLA Bar ausklingen. Die coolen Barkeeper im GØRILLA haben extra für uns Slow Food Youthies Cocktails kreirt und die machen sie mit einigem Können: absolute Besuchsempfehlung für alle Turin-Touristen. :)

23. September

Der Tag startet mit dem Slow Food Youth Deutschland Meeting, wo sich unsere Leitung vorstellt und erzählt, was die eigentlich so machen. Alle Teilnehmer sollen Wünsche und Kritik loswerden und werden zum Netzwerken aufgerufen. Wir verbringen danach den Tag mit dem Erkunden der Angebote, Verkostungen und gehen abends natürlich auf die zweistündige Parade, die beeindruckend mit tausenden Teilnehmern durch Turin führt, bis Slow Food Gründer Carlo Petrini eine Rede schwingt.

Zu der Demonstration kommen insgesamt über 5000 Menschen aus aller Welt - FischerInnen, MetzgerInnen, LandwirtInnen, BäckerInnen, StudentInnen, AktivistInnen und noch sooo viele andere. Die Stimmung ist fantastisch, alle freuen sich miteinander und übereinander und es werden fleißig Umarmungen ausgetauscht. Am Ende werden auf dem großen Platz die Leute dazu aufgerufen, typische Lebensmittel aus ihren Regionen untereinander zu tauschen. Coole Idee! So haben wir beispielsweise einen wiederverwendbaren Strohhalm aus Bambus von den Galàpagos Inseln gegen einen geräucherten Knoblauch aus Hennigsdorf bei Berlin eingetauscht. Nach einem tänzerischen Ausklang bei lustiger Musik verteilt sich die Masse auf die umliegenden Bars oder in den Unterkünften.

24. September

Der Samstag wird natürlich wieder zum Erkunden genutzt. Es scheint gar unmöglich, alle Stände auszuchecken und die Workshops, Verkostungen, Diskussionen, Vorträge und Filme überschneiden sich an den verschiedenen Locations, so dass man schon eine gute Auswahl treffen muss. Langeweile kommt in jedem Fall nicht auf, teilweise bewegen wir uns am Rand zur Reizüberflutung.

Highlight des Tages ist für uns eine Bike n’ Eat Tour, die von den Studenten der Slow Food Uni organisiert ist. Wie der Name vermuten lässt düsen wir mit Fahrrädern durch die Stadt und halten zuerst an einer Fahrrad-Café-Werkstatt namens pʌɪ Bikery. Hier trifft sich gerade eine coole Bikergang mit langen Bärten und Jeansjacken mit Gangnamen. Die Situation ist sehr witzig, denn man würde hinter den Kerlen eher wilde Hell’s Angels, als Öko-Fahrradfahrer vermuten. “Bike or die” steht auf manchen T-Shirts. So fühlt sich Fahrradfahren in Hamburg gelegentlich auch an. ;) Im Café und der Werkstatt wird alles vom Fahrrad bis zum Tisch selbstgebaut; genauso wie alles leckere Essen und Trinken. Großartiges Projekt und leckerer Marmeladenkuchen mit Limonade!

Als nächstes geht es in ein ehemaliges Industriegebiet von Turin. Die leerstehenden Fabrikgebäude werden langsam von sozialen Projekten aufgegriffen, die die Hallen jetzt nutzen. Das erste von uns besuchte Projekt vermietet Räume für Events, backt Pizza & Brote (mit aktiver Sauerteigführung!), versucht Immigranten einzubinden und macht leckeres Essen im Café. Das zweite hat sogar einen Rooftop Garden, wo das Gemüse für das dazugehörige Restaurant angebaut wird. Im Restaurant selbst werden Menschen mit geistiger Behinderung und sozial Benachteiligte ausgebildet. Anschließend wird ihnen beim Einstieg in die Berufswelt geholfen, durch gezielte Zusammenarbeit mit anderen Restaurants. Auf dem Rückweg zum Valentino Park freuen wir uns, dass wir so eine Seite von Turin kennengelernt haben, die uns ohne diese Biketour definitiv verborgen geblieben wäre.

Am Samstagabend dann ist es Zeit, sämtliche junge Menschen zusammenzutrommeln: Es gibt eine große Party! Es wird gefeiert, getanzt, in sämtlichen Sprachen der Welt geschnackt, gelacht und geweint. Na, ihr wisst ja, wie das so läuft. Irgendwann sind alle betrunken, müde und glücklich. :)

25. September

Sonntag geht das Programm weiter, aber wir machen einen gemütlicheren Tag. Wir schauen den eindrucksvollen Film Earth Seen From Above and Through the Faces of Humanity von Direktor Yann Arthus-Bertrand. Vielleicht kennt jemand schon seinen Film Human, der kostenlos auf YouTube anschaubar ist? In dem heutigen Film geht es um Landwirtschaft in der ganzen Welt. Schöne Luftaufnahmen zeigen atemberaubende Landschaften und in intensiven Porträtaufnahmen erzählen Landwirte aus allen sozialen Schichten ihre Geschichten. Dabei werden traurige Schicksale beschrieben, wie die Geschichte eines Bauern, erzählt von dessen Ehefrau. Er musste aufgrund von steigenden Kosten und sinkenden Erträgen so viele Schulden aufnehmen, dass es ihn schlussendlich in den Selbstmord trieb. Andererseits werden auch die schönen Aspekte beleuchtet, wenn die Menschen von ihrer Liebe zu dem Beruf sprechen - wie der alte Landwirt, der um nichts in der Welt seinen Job wechseln würde, weil er dann auf die schönen Erfahrungen die er bei der direkten Arbeit mit der Natur macht, verzichten müsste. Sehenswert und ebenfalls bald kostenlos auf YouTube anschaubar.

26. September

Der Montag läutet so langsam das Ende der Messe ein. Die ersten Stände bauen ab. Wir nutzen die ruhigere Situation um uns mit leckeren Mitbringseln einzudecken und verkosten abends noch etwas sehr, sehr guten Whiskey aus Australien, Japan, Korea und Taiwan.

Ausklingen lassen wir diese ereignisreichen Tage noch einmal in der GØRILLA Bar. Sebastian aus unserer Hamburger SFY Gruppe hat am nächsten Tag Geburtstag. Wir feiern stilecht in Slow Food Manier rein: kurz vor Mitternacht fangen alle an, irgendwelche auf dem Markt erworbenen Köstlichkeiten aus der ganzen Welt auszupacken und wir picknicken am Bartisch. Die “Geburtstagstorte” ist ein zartschmelzender Schafskäse aus Großbritannien, gespickt mit Stückchen eines Knoblauchs von der Arche des Geschmacks, dazu zwei kleine Kerzen, Melonenlikör und noch ein paar andere Leckereien. Und nicht zu vergessen das wahrscheinlich schönste an diesem Salone del Gusto: Jede Menge wunderbare Slow Food Youthies - alte Bekannte und neue Freunde. Kann man sich etwas besseres wünschen?!


Das waren Eindrücke unseres ersten Besuchs von Terra Madre und wir wurden keineswegs enttäuscht. In zwei Jahren findet sie wieder statt und wir werden sicherlich auch da sein - du vielleicht auch?